Michael Järnecke

Buch Kunst Objekt Fotografie

Ausstellungs- / Buchprojekte

Fotografie, Buchobjekte, Installation, Performance

 

Wollen wir es verstehen?
Oder wollen wir es angreifen?

 

Mit dem »Verstehen« hat es eine eigenartige Bewandtnis.
Es sucht seinen Gegenpol zu befrieden, das Begehren.
Wollen / Ich will ist die Bewegung des Ergreifens, Verstehen die Bewegung des Innehaltens und gegebenenfalls Loslassens.
Es ist der Moment im Krieg / Wettkampf, wo der mögliche oder reale Gegner - wenn er nicht auch innehält, um zu verstehen - einen Vorteil erhält.
Das macht deutlich, warum es uns so schwerfällt „zu verstehen“.
Unser Verstehen ist wie ein Zögern, das uns in einen Nachteil versetzt. Wir wollen gar nicht verstehen. Wir wollen siegen, gewinnen.
Die Praxis zeigt, wir verstehen ohnehin erst nach Verlusten.

 

Das Verstehen, von dem hier die Rede ist, kommt paradox daher. Es wünscht sich natürlich einzugreifen, mitzumischen.
Es hat aber keine ökonomische oder militärische Macht. Und ob und wie ein geistiges Gebilde zu einer wirksamen Macht wird ist eine Frage so seltsam wie die Transsubstantiation des Geistes, die Fleischwerdung des Wortes.

 

Es bleibt also bei einem Können, das Verstehen ist.
Aber will ich überhaupt noch verstehen, wenn das Verstehen ein Loslassen ist?
Will ich nicht viel mehr und immer besser Nicht-Verstehen?